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Ein Radabenteuer in Südtirol PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Benedikt Oswald   
Montag, 15. August 2016 um 09:14

 

 Es gehört schon zur Tradition des RC ARBÖ Trieben, mit einem Team von 6 Mann eine vier bis fünf tägige Radtour am Beginn des Monats Juli zu unternehmen. So geschah es auch heuer. Die Teilnehmer waren dieses Mal der Obmann des Clubs, Gerald „Otto“ Nathan, Peter Schoiswohl, Manfred Frühwirt, Egon Laimer, Reini Unger und der Autor des Artikels, Dieter Harzl.

Als Fahrer und Betreuer konnte erneut Herr Franz Sommerer gewonnen werden, der das Team auch diesmal umsichtig betreut hat. Der Kleinbus wurde von der Fa. Maurer zu sehr günstigen Bedingungen gemietet, wofür an dieser Stelle gedankt werden soll. Als Ausgangspunkt wurde Terlan, das in der unmittelbaren Umgebung von Bozen liegt, gewählt, da sich von dort aus viele interessante Radrouten anbieten.

Peter hatte das ihm schon bekannte Hotel Weingarten empfohlen, wo wir in einer familiären Umgebung ausgezeichnet untergebracht und verpflegt wurden.

Nach umfangreichen Vorbereitungen starteten wir am 8. Juli um vier Uhr früh Richtung Tauernautobahn, passierten bei Sillian die Grenze und bestiegen 15 km nach Toblach unsere Räder, um nach Cortina d’Ampezzo zu fahren. Die Bergspitzen waren wolkenverhangen, so konnten wir die drei Zinnen kaum erblicken. Kurz danach ereilte Manfred ein Speichenbruch, der jedoch in einem Radgeschäft in Cortina rasch behoben wurde. Dann begann der Anstieg Richtung Falzarego Pass. Nach 10 km erreichten wir die Abzweigung zum Pso. di Giau, der eine Höhe von 2236 m aufweist. Es folgte die Abfahrt nach Caprile. Als ältester und leider auch schwerster Teilnehmer konnte ich sowohl beim Anstieg, als auch bei der Abfahrt nur kurz die Rücken meiner Kameraden erblicken, dann waren sie meiner Sicht entschwunden, warteten aber brav. Und wieder ging es bergwärts auf den Pso. Fedaya mit einer Höhe von 2057 m. Von dort abwärts nach Canazei und das Fassa Tal. Nach weiteren 10 km erreichten wir die Abzweigung zum Karer Pass, wonach es begann wieder zu steigen begann. Ich fuhr noch 5 km bergan und warf, sportlich ausgedrückt, das Handtuch. 2500 Hm und 97 km reichten mir für den ersten Tag, während die Kameraden brav weiter strampelten. Es war gar nicht einfach, durch Bozen durchzufinden, da die vom Navi angezeigten Straßen für Radfahrer verboten waren. Gegen 8 Uhr erreichten wir das ersehnte Ziel und konnten Hunger und Durst stillen. Es wurden 145 km zurückgelegt und 2860 Hm erreicht. Das hielt uns ab, am nächsten Tag die anspruchsvolle Königsetappe über das Penser Joch vorzunehmen. So kamen wir überein, in das Ultental zu fahren, um uns bei insgesamt 72 km bei 1050 hm etwas zu erholen.

Wir starteten um 9 Uhr, und es ging rasch den Etschtal Radweg entlang bis Lana, wo der Anstieg beginnt. Es war ziemlich schwül und zum Unterschied von Trieben brannte die Sonne herunter. Nach einer Stärkung in einem Cafe in St. Walburg kehrten wir um und fuhren heimwärts, wo wir noch den Pool des Hotels vor einer kräftigen Abendmahlzeit benutzen konnten.

Auf unsere Bitte wurde das Frühstück schon um 06:00 Uhr samt Bedienung bereitgestellt, was man in einem Hotel wohl selten erlebt. So konnte die Königsetappe mit Penser Joch und Jaufen Pass schon um 07:00 Uhr begonnen werden. In rascher Fahrt ging es nach Bozen, wo wegen der frühen Stunde noch wenig Verkehr herrschte. Das Penser Joch Pass zeichnet sich beim Anstieg durch die zahlreichen Tunnels aus, in denen jedes einzelne Fahrzeug für den Radfahrer einen höllischen Lärm erzeugt. An diesem Sonntag waren zahlreiche Motorradfahrer unterwegs. Für den Radler ist es schon eine Tortur, wenn ein Biker mit 140 km/h auf einer schmalen Straße vorbeiknallt.

Ebenso waren die neuesten Porsches und Ferraris unterwegs, so dass man sich den Besuch eines Autosalons ersparen konnte. Um die Mittagszeit waren die 1900 Hm überwunden. Dem Reini war kurz vor dem Gipfel ein Pedal gebrochen, und er durfte in der Folge dem Franz im Bus Gesellschaft leisten. Nach einer Stärkung im Restaurant ging es in rasender Fahrt hinab nach Sterzing, wo eine schwüle Bruthitze herrschte. Der erneute Anstieg auf den uns schon bekannten Jaufenpass ließ nicht lange auf sich warten. Zum Glück ging es vielfach durch den Wald, und die Straße flacht in der oberen Sektion ab. So konnte ich unter psychologischer Betreuung des Manfred, der sich am Bergrennen der Kameraden nicht beteiligte, gegen meine eigene Erwartung die Passhöhe erreichen und mit 92 km und 3027 Hm den Tag finalisieren. Mir war die Lust vergangen, auf einer relativ schlechten und kurvenreichen Straße ins Tal zu stürzen und leistete dem Franz und dem Reini im Bus Gesellschaft. So fuhren wir über St Leonhard nach Hause und kamen nur wenig früher als die Kameraden im Hotel an. Nach einem genussvollen Abendessen verfolgten wir auf der Terrasse des Hotels das wenig spektakuläre Finale der Fußball Europameisterschaft und dessen überraschenden Ausgang und gingen spät zu Bett.

Am 4. Tag sollte der Niger Pass bezwungen werden. Die Abfahrt verspätete sich, da ein neues Pedal besorgt werden musste und das Geschäft in Eppan erst um 9 Uhr öffnete.

Nachdem dies erledigt war, bestiegen wir den Bus, um den Ausgangspunkt zu erreichen. Es folgten ein Megastau auf der Schnellstraße und ein weiterer in Bozen. 12 km vor Tiers bestiegen wir die Räder, wo es wegen der fortgeschrittenen Tageszeit schon sehr warm war. In Tiers selbst gab es eine kleine Pause bei einem Cafe. Ich spürte noch deutlich die Strapazen des Vortages, trotzdem ging es weiter. Nach 3,5 Kilometern, bei der Ortschaft St. Cyprian steigt die Straße etwa 150 m lang mit 20% an. Diese erklomm ich mit letzter Kraftanstrengung. Bei den schwülen Verhältnissen erholte ich mich nicht mehr und war nach weiteren 5 Kilometern einem Kollaps nahe. Zum Glück war der Franz unmittelbar hinter mir und lud mich auf. Meine Tagesetappe war zu Ende. Zur Passhöhe, wo mich die Kameraden schon erwarteten, waren es noch 5 km. Die schöne Gebirgskulisse mit Schlern und Rosengarten war leider von Wolken bedeckt. Nach einer kleinen Kaffeepause ging es weiter über Welschnofen und per Bus durch das Eggental nach Bozen und Terlan.

Für den 5. Tag war das Timmelsjoch eingeplant. Leider hatte das schlechte Wetter auch Südtirol erreicht. Wir mussten auf diese Tour verzichten und die Räder auf den Bus packen. Nach kurzer Zeit begann es auch zu regnen.

In den 4 Tagen wurden insgesamt 430 km mit den Rad gefahren und dabei 8910 Höhenmeter erreicht.

Die abschließende Beurteilung: Das Wetter war bis auf den letzten Tag gut, die Routen bestens  ausgewählt, im Team herrschte eine hervorragende Kameradschaft, das Hotel und die Verpflegung waren ausgezeichnet.

Wir wünschen uns, im nächsten Jahr ein ähnliches Radabenteuer zu erleben.

 

 

 

Dieter Harzl

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