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Teilnahme am Styrkeprøven PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Harzl   
Dienstag, 28. Juli 2015 um 13:02

 

 

Dieses Ereignis, das auf Deutsch „Stärkeprüfung heißt“, findet in Norwegen jedes Jahr im Juni zur Zeit der Sonnenwende statt. Es ist ein Radmarathon über eine Strecke von 550 km von Trondheim nach Oslo, der mit einem Zeitlimit von 35 Stunden durchfahren werden muss.

Ich hatte schon im Jahre 2010 daran teilgenommen und den Fehler begangen, zu wenig aufzuwärmen. So bekam ich bereits nach einer Stunde Knieschmerzen, die mich die nächsten 30 Stunden plagten und mich zwangen, längere Erholungspausen einzulegen.

Mit einer Zeit von 31:15:31 blieb ich damit weit unter den Erwartungen, hoffte ich doch, in 26 Stunden durchzukommen. Dies ärgerte mich 5 Jahre hindurch und so beschloss ich, es heuer noch einmal zu versuchen.

Die Anreise erfolgte mittels PKW, begleitet vom Betreuerteam Sohn Michael und Ehegattin.  Am 17. Juni um 20:00 Uhr starteten wir im Autoreisezug von Wien  bis Hamburg. Von dort fuhren wir bis zur norwegischen Grenze, wo wir in einem Motel übernachteten. Am nächsten Tag trafen wir in Trondheim ein, wo der Sohn ein Hotel für zwei Nächte gebucht hatte.  Dies hatte den Vorteil dass ich mich bis kurz vor dem Start am 19. 06. um 22:10 ausruhen konnte.

Den Tag verbrachten wir mit Besichtigungen und dem Abholen der Startunterlagen.

Gegenüber 2010 hatte sich einiges geändert. Keine Reglements für Begleitfahrzeuge, mit Ausnahme jener der Teams. Dafür war die Straße für den allgemeinen Verkehr nicht gesperrt. Auch gab es keine Belehrung, die 2010 auf norwegisch erfolgte.

So begab ich mich um 21:30 zum Startplatz von dem prächtigen Nidas Dom. Dort trafen mittlerweile auch die anderen Starter  ein. Nach einigen Gesprächen mit anderen Teilnehmern wurde es bei noch prächtigem Sonnenschein 22:10 und der 2. Block  mit 120 Teilnehmern wurde gestartet.  

Während der ersten halben Stunde wärmte ich richtig auf und wurde praktisch von allen anderen Startern  überholt. Ein eigenartiges Gefühl beschlich mich,  als ich das Verkehrsschild, Oslo 543 km, sah. Auf der linken Fahrspur rollte eine ununterbrochene Kette von Autos, die aus Trondheim raus wollten.  Der erste kleine Berg  war bald überwunden und nach 20 km Fahrt und aufgewärmt fand ich Anschluss auf eine  6 köpfige Gruppe, deren Windschatten ich nutzte.

Nach 61 km, beim Verpflegungspunkt Soknedal, war damit Schluss. Die Gruppe machte Halt.  ich hatte mir vorgenommen, um Zeit einzusparen die 105 km bis zur Verpflegungsstation Oppdalsporten durchzufahren, was mir auch gelang und um 02:00 Uhr  dort eintraf. Das Licht brauchte ich nicht einzuschalten, da es nicht finster wurde. Hier machte ich die erste Pause.

Nach weiteren 20 km erfolgte der Anstieg auf das Dovrefjell, einer der schönsten Landschaften Norwegens, wo von den Bergen die Schneefelder herunterleuchteten und die Temperatur auf 3° absank. Wetter und Wind waren optimal und nach Überwindung dieses Bergmassivs erreichte ich nach 198 km Dombås  mit einem Schnitt von 21,54Km/h. Es war 7:00 Uhr am Morgen und die Sonne leuchtete schon hoch am Himmel. Nach 9 Stunden im Sattel war es Zeit für das Frühstück, was 20 Minuten in Anspruch nahm.

Dann ging es mit 4-5%Gefälle abwärts durch das Gudbrandsdalen, wo ich bei guten Windverhältnissen rasch weiter kam.

Nach 262 km hätte es in Kvam die nächste Verpflegungsstation gegeben, deren Schild ich übersah, da gerade ein Radteam vorbeiraste. Frau und Sohn warteten vergeblich, konnten mich aber Dank moderner Technik mit dem Handy orten und mich nach weiteren 15 km erreichen. Verpflegung und Getränk hatte ich schon dringend nötig. Seit Dombås hatte ich auf Rucksack und zweiter Trinkflasche aus Gewichtsgründen verzichtet. Nach 306 km erreichte ich mit Kvitfelltunnet die nächste Verpflegungsstation, wo ich ein wenig rasten konnte.  Nach 358 km, bei Lillehammer, lag mein Durchschnitt schon bei 21,7 km/h und die Hoffnung stieg, das Ziel in einer 26er Zeit zu erreichen. Jetzt ging die Straße  am rechten Ufer des 147 km langen Mjøsa Sees Hügel auf Hügel ab weiter bis Biri, wo ich nach 378 km neben der Verpflegung auch einer längeren Ruhepause bedurfte. Diese drückte meinen Stundenschnitt nach 404 km auf 20,83 km/h. Nach 428 km erreichte ich  in Totenvika die nächste Verpflegungsstation mit rd. 45 Minuten Aufenthalt. Danach fühlte ich mich frisch und hängte so manchen ab, der es wagte, sich an mein Hinterrad zu heften. So konnte ich meinen Schnitt  in Eidsvoll, nach 476 km, mit 20,88 km/h noch leicht erhöhen. Vorher hatte ich bei Stensby Sykehus, nach 465 km aus unerfindlichen Gründen die Verpflegungsstation übersehen. Jetzt rauschten  immer mehr Teams, die für die Gesamtstrecke zwischen 14 und 18 Stunden brauchten und am Morgen gestartet waren, vorbei. Aufgrund einer bösen Erfahrung hatte ich Angst. Auch machte sich langsam die Müdigkeit bemerkbar. Nach 500 km, in Kløfta, erreichte ich die letzte Verpflegungsstation, die ich schon dringend benötigte. Bei Olafsgaard, nach 520 km, lag mein Schnitt auf 20,52 km/h. Eine halbe Stunde vor Mitternacht begann es auch hier finster zu werden. Jetzt begann ein wahres Martyrium. Die Gegend um Oslo ist relativ dicht besiedelt. Die letzte Etappe über 30 km  verlief über unzählige Kreisverkehre und noch mehr Hügel. In der Dunkelheit waren für mich die Hinweisschilder nicht so leicht erkennbar  und ich war ständig von der Angst begleitet, mich zu verirren. Anderen Gruppen zu folgen war auch nicht so leicht, da ich bei den kurzen Abfahrten und schlechter Sicht jedes Risiko vermeiden wollte und so den Anschluss verlor. Dann endlich, nach einer Rechtskurve sah ich eine Beifall klatschende Menschenmenge und mir dämmerte erst nach einigen Sekunden, das Ziel nach 550 km um 01:07 Uhr in 26:57:35 erreicht zu haben. Unmittelbar danach sah ich Sohn und Ehegattin, die mich beglückwünschten und froh waren, dass ich das Ziel erreicht hatte.

 Dass der Abschluss mit Überreichung einer Medaille in dem groß angekündigten, aber in der Finsternis nicht auffindbaren Sportzentrum hätte stattfinden sollen, ist der einzige Negativpunkt des Ereignisses. Um 02:00 traten wir die Rückreise an und erreichten am Abend Berlin, wo wir bei der Tochter nächtigten und am nächsten Tag heimfuhren.

Daheim druckte ich meine Urkunde aus.  Die Wertungen erfolgen in Altersgruppen mit je 5 Jahren Abstand. Unter den insgesamt 1575 Männern und Frauen, die ans  Ziel gelangten, erreichte ich den 1263sten Rang. In der Kategorie 75 Jahre und mehr erreichte ich als einziger und damit ältester Starter mit 26:57:35 den ersten Rang. Damit hatte ich die Zeit von 2010 mit 31:15:31 deutlich unterboten und meinen Ehrgeiz gestillt.

 Am Ziel hatte ich mir geschworen, nie wieder an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Inzwischen hat sich meine Meinung zum Positiven geändert. So würde ich es das nächste Mal, wann diese Veranstaltung das fünfzigste Mal stattfindet, gerne noch einmal versuchen. Sollte es Interessenten geben, so mögen diese sich bei mir melden.

Dieter Harzl

 

 

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