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Eine harte Partie! PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Harzl   
Dienstag, 28. Juli 2015 um 12:03
 

 

So wie in den vergangenen Jahren ist es dem RC ARBÖ Trieben auch diesmal gelungen, eine fünftägige Radtour zu Stande zu bringen. Es war gar nicht so einfach die entsprechende  Streckenauswahl  zu finden, wurden doch schon in der Vergangenheit alle möglichen Varianten gefahren. Die Wahl ist schließlich auf Bormio gefallen, wo im Jahre 2005 die Schi Weltmeisterschaften stattgefunden hatten.

Bormio liegt im Veltlin, italienisch Val Tellina, das  uns Österreichern weitgehend unbekannt ist, wenn auch der  „Grüne Veltliner“  ein gängiger Begriff ist.

Die Stadt selbst, die nahe an der Schweizer Grenze liegt, ist von hohen Bergen umgeben und natürlich gibt es auch zahlreiche, für Radfahrer interessante Pässe.

So konnten vier Nächtigungen im Voraus in einem Hotel gebucht werden und jeden Tag stand eine andere Fahrtvariante zur Verfügung.

Wieder einmal hat die Fa. Dupke ihren Bus zur Verfügung gestellt und wir möchten uns an dieser Stelle dafür auf das Herzlichste bedanken.

So konnten wir am 10. Juli um vier Uhr früh frohen Mutes aufbrechen.

Als Fahrer, Betreuer und Fotograf  fungierte wiederum Herr Franz Sommerer, der seinen Aufgaben bravourös nachkam.  Die übrigen Teilnehmer waren: Nathan Gerald, Frühwirt Manfred, Inreiter Karl, Unger Reini, Schoiswohl Peter und Harzl Dieter, der Verfasser des Artikels. Die Fahrt ging über Radstadt, Salzburg, Rosenheim, Innsbruck und Landeck ins Engadin, wo wir in Zernez die Rennräder bestiegen.

Bis wir kurz vor St. Moritz, wo die Straße in Richtung  Bernina Pass abbiegt, war es flach. Dann begann die Steigung und wir bemühten uns bergwärts.  Das Wetter war wolkenlos und heiß, doch ein leichter Wind machte die Fahrt erträglicher. Uns bot sich der herrliche Anblick der Bernina Gruppe mit dem berühmten Bianco Grat und seinen Gletschern.

Der Passhöhe folgte  eine 6 km lange Abfahrt und gleich der  Aufstieg auf den Forcola Pass und wieder eine Abfahrt nach Livigno, von wo aus wir erneut den Passo di Eira und den Foscagno Pass zu erklimmen hatten. Dann endlich ging es  mehr als 1000 Hm in rasender Fahrt hinunter nach Bormio. Das Hotel war  bald gefunden und stellte sich als Volltreffer heraus. Der Hunger war groß,  da wir uns bisher hauptsächlich von Müsliriegeln ernährt hatten. Der Obmann lehnte das angebotene Abendmenü um € 25 in Unkenntnis italienischer Essgewohnheiten ab und so suchten wir ein nahe gelegenes Restaurant auf, wo wir unseren Hunger stillten. Bald ging es zu Bett, denn am nächsten Tag drohte die schwerste Etappe.

Nach einem ausgezeichneten Frühstück bestiegen wir die Räder und fuhren  zuerst Tal abwärts. Nach 50 km war  der Fuß des Passes Martirolo erreicht. Dieser wurde im heurigen Giro d’Italia befahren, wurde durch den Radrennfahrer Pantani berühmt.  Mit  einer durchschnittlichen Steigung von 10 % und einer maximalen von 18% auf 12 km Länge war er wohl der schwerste Brocken der ganzen Tour. Dort waren  zahlreiche Radfahrer unterwegs, ebenso wie  Biker. So wurden wir  einmal durch  eine Kolonne von 40 Motorrädern überholt.

Für mich sollte es noch schwerer kommen.

Nach kurzer Abfahrt verpflegten wir uns in einem Restaurant und es folgte eine lange Abfahrt auf etwa 830 m Seehöhe. Dann 20 km Tal einwärts  bis zur Abzweigung auf den Gavia Pass, wo eine Höhe von 2630 m erreicht wird. Diese ehemalige Militärstraße ist teilweise so schmal, dass man als Radfahrer beim Passieren von PKW’s Probleme bekommt.

Ich selbst war bei Hm 1930  ziemlich fertig und angesichts des Busses und eines Verkehrsschildes, das eine Steigung von 14% anzeigte, rasch entschlossen diesen zu besteigen. 

Ca. 4 km vor der Passhöhe befindet sich ein unbeleuchteter Tunnel. Es war ausgemacht, diesen mit dem Bus gemeinsam zu passieren.  Als wir dort mit diesem etwas verspätet eintrafen, war von den Kameraden niemand zu sehen.

In der Meinung, die Freunde seien schon unbeleuchtet durchgefahren, setzten wir die   Fahrt auf die Passhöhe fort, wo ebenfalls niemand anzutreffen war.  Dies führte zur Schlussfolgerung, jene seien schon abgefahren, um den niedrigen Temperaturen zu entrinnen. So setzten wir auf meinen Rat die Fahrt nach Bormio fort. Das stellte sich als fataler Irrtum heraus.  Unser Radteam  hatte nämlich den Tunnel auf einem Schotterweg auf Peters Rat umgangen. Zwei Beteiligte hatten keine Windwesten mit sich und suchten Zuflucht  im Hotel auf der Passhöhe, da sie den Bus vergeblich suchten, während sich  der immer bestens ausgerüstete Peter auf den Weg machte um eine telefonische Verbindung  zu bekommen. Dies gelang ihm zu jenem Zeitpunkt, als wir gerade vor dem Hotel eintrafen. Der arme Franz musste die 30 km auf den Gavia Pass zurück fahren, um die Windwesten nachzubringen.

Dieses Ereignis wurde am Abend mit zwei Runden Getränk auf Kosten der beiden schlechten Ratgeber bereinigt.

An nächsten Tag  (12.07.)war Ruhe angesagt.  Wir fuhren die 15 km einer schönen Serpentinenstrasse hinauf zum Cancanio Stausee. Diesen bekamen wir nicht zu Gesicht, da der Asphalt aufhörte. Denn Nachmittag verbrachten wir mit der  Besichtigung der Stadt und im Wellnessbereich des Hotels.

Für den 13. 07. War wieder schwere Kost mit 3200 Hm angesagt  Die Runde Bormio-Stilfserjoch-Umbrailpass- Bormio. Ehrlich gesagt war mir nicht ganz wohl bei diesen Aussichten und beschloss mit den Kräften Haus zu halten. So ging es dann hinauf durch eine wunderbare Gebirgslandschaft auf das 2750 m hohe Stilfserjoch, wo ich mit angemessener Verspätung eintraf. Nach den üblichen Gipfelphotos erfolgte die wegen des Verkehrs nicht ganz ungefährliche Abfahrt über die 48 engen Serpentinen.

In Trafoi kehrten wir beim 4 fachen Weltcupsieger Gustaf Thöni ein, der sich in seiner bescheidenen Art persönlich um uns kümmerte.

Und weiter ging es nach Prad und Santa Maria in die Schweiz, wo der Umbrail Pass zu erklimmen war. Auch dieser wurde in der gewohnten Bravour gemeistert, wo ich von den schon in Decken gehüllten Freunden erwartet wurde.

Am letzten  Tag war auf Grund der ausgestandenen Strapazen die Motivation zu weiteren Großtaten verflogen und wir machten noch insgesamt 25 km mit 500 Hm nach Santa Catarina, wo  bei der WM  die Frauenbewerbe ausgetragen wurden.

Dann war Packen angesagt.

Die Rückreise glich der Route der Anreise, unter Vermeidung des Bernina Passes.

Beim Passieren der Schweizer Grenze wurden wir  von einem Polizeifahrzeug zum Anhalten aufgefordert und es gab folgenden Dialog:

Polizist: „Sie haben aber schon eine unorthodoxe Fahrweise.“

Franz: „Warum“

Polizist: „Sie sind so langsam gefahren“

Franz: „Ich habe Mitfahrer denen schlecht wird“

Polizist: „Sind sie alkoholisiert oder haben sie Drogen genommen?“

Franz: „ Nein, auf keinen Fall“

Polizist: „Ja wollen sie das nicht einsehen?“

Franz: „Ja, aber ich bin mir keiner Schuld bewusst“

Dann Kontrolle der Papiere und wir durften weiter fahren.

 

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